SPD ohne Gesundheitsexperten

Es ist so erschütternd, wie kaum eine andere Erkenntnis der letzten Jahre: Die SPD hat keinen Gesundheitsexperten mehr.
Wie anders soll man es werten, dass der bisherige (K. Lauterbach) sich mit einer Forderung in die Öffentlichkeit wagt, die bereits seit über vier Jahren längst Geschichte ist?
Herr Lauterbach scheint in seiner Verzweiflung bei der Suche nach immer neuen unsinnigeren Argumenten, nun endgültig den Kontakt zum Metiers verloren zu haben. Es ist nicht das erste Mal, dass er derart Unfug redet, aber seine neuerliche Forderung, Apotheken mögen sich Beratungskabinen zulegen zeigt, dass sich die SPD dringend jemand anderen als neuen Gesundheitsexperten suchen muss. Denn die Apothekenbetriebsordnung schreibt Beratungskabinen in Apotheken bereits seit mindestens vier Jahren vor.
Warum seine Vorderung aber vor allem Unfug ist, kann sich der Herr ja mal von echten Experten erklären lassen, die sich mit der Kompliance und der Psychologie rund um das Thema „Beratung“ befassen.
Ein Medikament kann nur genau so gut sein, wie der Patient sich an die Vorgben von Hersteller und Arzt hält (Kompliance). Weicht der Patient von der vorgeschriebenen Einnahme ab, sinkt die Wirksamkeit, sei es durch die Einnahme von Grapefruit zu Blutdruckmitteln oder durch einfache zeitliche Abweichungen. Es ist also absolut und wesentlich entscheidend für den Erfolg einer Behandlung, dass der Patient bei der Beratung durch die Apothekerin ZU KEINEM ZEITPUNKT das Gefühl entwickelt, er würde gerade nur belatschert, um dies zusätzlich abrechnen zu können. Denn ab einem Eintritt eines solchen Gefühls ist die Kompliance für das eben gesagte dahin.

Herr Lauterbach, ihre Fliegen waren immer ein Hingucker, ihre Worte unterdessen leider nicht immer, doch nun ist die Zeit gekommen den jüngeren, besser informierteren und vor allem weniger partiell iinteressierten den Platz zu überlassen.
Es wäre peinlich, wenn man mit einem Rücktritt solange wartet, bis sich sogar die von einem distanzieren, die man unterstützen wollte.

Re: „wohnortnahe Versorgung“

Neulich auf Heise:

Re: „wohnortnahe Versorgung“

herzbluten schrieb am 30.10.2016 08:25:

Apotheken sind so hochprofitabel, das selbst in kleinsten Orten drei bis fünf davon zu finden sind – Dank der starken Lobby und der Apothekenpreise.

Was ein Unfug.

Es muss endlich Wettbewerb her, durch aufheben einiger der vielen Wettbewerbseinschränkungen. Es muss zum Beispiel Versand geben und auch Zusammenschlüsse – wir sind nicht mehr im Mittelalter. Die extrem starke Lobby der Apotheker muss überwunden werden.

Dein Posting ist der Beweis, dass wir uns gerade mit sieben Meilenstiefeln zurück ins Mittelalter bewegen. Wozu Apothekerinen da sind und was sie neben ihrer Funktion fürs Gesundheitswesen auch für die Kommunen (Gewerbesteuer etc) bedeuten, wird völlig ignoriert. Jungs, wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.
Wenn das was Du forderst käme, würdest Du Dich in zehn Jahren ganz schön umgucken: Denn dann bestimmen ein oder zwei Große Player nicht nur, was Du bezahlst, sondern auch wo, wann und wie schnell Du es bekommst. Denen ist jedes Gesetz jetzt schon egal. Ob Dein Kind seine lebenswichtigen Medikamente für Dich bezahlbar und rechtzeitig bekommt, ist doch einen Börsenunternehmen egal. Denkst Du ernsthaft, Du könntest solche Riesen irgendwie dazu bekommen, dass sie in Kleinkleckersdorf auch nur für einen Cent Medikamente vorhalten? Supermarkt Filialen der großen Ketten werden nicht geschlossen, weil sie keinen Gewinn bringen, sondern nicht die vom Konzern geforderte Marge. Glaubst Du ernsthaft, das wäre im Medizinmarkt anders?
Wie Naiv kann man sein?

In 99,999% aller Verkäufe ist der Beipackzettel qualifizierter als der „Rat“ der Apothekerin.
Die Versorgung wird so besser und billiger – wider die Horrorszenarien der Apothekenmafia.

Und 99,9999% aller Heise-Kommentare reden von Dingen, die sie nicht verstehen?
Die Apotheken, die ich kenne, raten den Leuten auch gerne mal zu häuslichen Mitteln, die gar nichts kosten, statt dem tollen Produkt aus der Fernsehwerbung, dass sie aber für Unfug halten.
Die Apotheken, die ich kenne, korrigieren jede Woche fehlerhafte Ärztliche Verschreibungen, von denen immer wieder welche dabei sind, die für den Patienten tödlich geendet hätten, ohne dass dies je ein Pathologe gefunden hätte. Würden diese Patienten statt in ihrer Stammapotheke das Rezept beim gerade günstigsten Online-Händler bestellen, wären sie längst tot. Sicher, das sind Einzelfälle. Möchtest Du gerne genau dieser sein?
Viel Spaß beim Online Kauf.
Wer echten Apothekenalltag nicht kennt, nicht weiß, wieviele unerfahrene Eltern mit werbungsgetriebenen „Wünschen“ für ihre Säuglinge kommen, der hat keinen Schimmer wo wir landen, wenn diese Leute keine qualifizierte Apotheke mehr haben.

Mal ehrlich, wer von Euch hätte denn überhaupt Pharmazie studieren können?
Wer von Euch weiß denn, mit welcher Qualifikation man in Apotheken einem Patienten gegenüber stehen darf ?
Wer glaubt, dass die, die Dir dort jetzt Rabatte versprechen, selbstlose Menschen ohne Hintergedanken und profitgierige Hintermänner sind, glaubt vermutlich auch an den Weihnachtsmann und den Osterhasen und hat noch nie in einer Hotline Schleife eines Telefon-Giganten gewartet. Nur dass Ihr zukünftig zur Warteschleifenmusik dann auch Eure Schmerzen werdet ertragen müssen….

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (30.10.2016 10:31).

Unruhiges Fahrwasser

Bewegte Tage für Apotheker.

Während von der einen Seite die Apotheker durchaus Verständnis und Unterstützung erfahren, bläst ihnen von der anderen Seite vor allem im Netz ein „Shit-Storm“ entgegen, wie es ihn sonst nur vermeintlich pädophile Gewalttäter zu ertragen haben. Da werden die Generationen-alten Vorurteile heraus gekramt, nach denen Apotheker ja 800% Gewinn (Twitter Zitat) mit jedem Medikament machen würden. Doch nach n-Runden an Gesundheitsreformen ist aus der Goldgrube Apotheke aus der Zeit unserer Urgroßeltern eine vermeintliche geworden. Natürlich gibt es Lagen, an denen eine Apothekerin nur Krieg und Terrorismus fürchten muss. Doch wer glaubt, Deutschland könne einen freien Apothekenmarkt vertragen vergisst, dass wir nicht eine möglichst billige Versorgung einzelner mit einigen wenigen Präparaten brauchen, sondern dass es Aufgabe einer Regierung ist, eine flächendeckende Versorgung mit allen lebenswichtigen Präparaten sicher zu stellen. Wer jetzt im Netz populistisch „endlich die Freigabe des Arzneimittelmarktes und ein Ende des Monopols der ApothekenPreisDiktatur“ fordert, hat die Historie und den Sinn der aktuellen Gesetzgebung und ihrer Auslegung in Deutschland bis zum EuGH-Urteil nicht verstanden.

Woher kommt die Rx-Preisbindung

Die Preisbindung der rezeptpflichtigen Medikamente dient dazu, den Anwohnern aller Regionen, auch der abgelegensten, einheitliche Preise für medizinisch wichtige -weil ärztlich verordnete- Medikamente zu garantieren. Andernfalls könnte ein Patient im Zentrum Berlins sicher damit rechnen, günstiger an seine Präparate zu gelangen, als der Patient auf einer Hallig oder Bergalm. Größere Nachfrage und damit geringere Gemeinkosten lassen größere Spielräume für Preisnachlässe. Hier hat die Politik zu Recht entschieden, dass dies zu verhindern sei. Die ohnehin schon unter der Strukturschwäche leidenden Landstriche würden damit ein weiteres Mal finanziell benachteiligt.

Am Bemerkenswertesten aber ist, dass die Versandapotheken ausgerechnet mit dem Rezept-Rabatt werben. Es wird also genau DER Patient besonders „belohnt“, der sich besonders viel vom Arzt verschreiben lässt. Schaut man sich jetzt schon die vielen illegalen Arzneimittelangebote auf Ebay und co an, braucht man nicht viel Phantasie, um darauf zu warten, dass die Leute anfangen dem Arzt Märchen zu erzählen, um möglichst viel verschrieben zu bekommen, um möglichst viel Rabatt zu „sammeln“. Das selbst nicht benötigte, wird in der Bucht dann gleich zu Geld gemacht. Und dies alles schön von unseren Kassenbeiträgen finanziert.

Warum schnelles Handeln so wichtig ist

Liebe Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie,
sehr geehrte Frau Golze,

sicher haben auch Sie das EuGH Urteil zur Gewährung von Rabatten auf verschreibungspflichtige Medikamente verfolgt. Es besteht dringender Handlungsbedarf auch im finanziellen Interesse von Gemeinden und Kommunen. Vor allem aber im Interesse der Arbeitsplätze vieler Frauen und Mütter. Es ist dringender, als es Ihnen vielleicht bewusst ist.

Es gibt Politiker, die glauben, man müsse nun die Folgen dieses Urteils erst einmal  abwarten, um dann zu reagieren, sollte es tatsächlich so kommen, wie von den Apothekern „an die Wand gemalt“. Doch dies hätte tiefgreifende Folgen für die wirtschaftliche und gesundheitspolitische Struktur auf dem Land, besonders im ländlichen Brandenburg.

Das EuGH Urteil und seine Folgen werden vor allen jene Apotheken treffen, die für die flächendeckende, gesundheitliche Versorgung auf dem Land zwingend benötigt werden. Deren „Wegsterben“ abzuwarten, wäre gesundheitspolitisches Harakiri, denn sind diese erst weg, gibt es kein Zurück mehr. Keine Bank würde unter diesen oder auch nur leicht verbesserten Voraussetzungen einer Apothekerin Geld geben, um erneut eine Apotheke genau dort aufzumachen, wo gerade eine geschlossen hat. Trotz historischem Niedrigzinsstand gewähren die Banken selbständigen Apothekerinnen kaum Kredite, die Gewährung von Investitionskrediten via KfW wird von den Hausbanken geradeheraus verweigert.

Unter diesen Umständen möchte ich Sie dringend darum bitten, sich im Rahmen Ihrer Verantwortung und Kraft Ihres Amtes JETZT für den Erhalt der familienfreundlichen (weil vor Ort) Arbeitsplätze von überwiegend Frauen und Müttern in den ländlichen Apotheken einzusetzen.

Ich möchte nicht schließen, ohne auch noch auf einen weiteren linkspolitischen Aspekt der Problematik zu verweisen:
In Teilen der Politik wird offen damit sympathisiert, dass ein Fallen des Mehrbesitzverbotes, welches Apothekenketten derzeit in Deutschland verbietet, schon dafür sorgen würde, dass auch auf dem „flachen Land“ wieder Apotheken entstehen würden. Dies wäre aus linkspolitischer Sicht der Supergau für alle Beteiligten: Die Ketten würden in den Gemeinden vor Ort keinen Cent Steuern zahlen, die katastrophalen Folgen für die Arbeitnehmer brauche ich Ihnen als linker Politikerin nicht aufzählen. Und Schweden zeigt, dass nach einer Phase der „Eroberung“ des ländlichen Raumes durch die Ketten, deren einziges Ziel es war, die freie Konkurrenz in den Ruin zu treiben, eine Phase der Konsolidierung folgt. Filialen werden nicht nur geschlossen, weil sie KEINEN Gewinn bringen, sondern auch, weil sie NICHT GENUG Gewinn bringen. Als Folge davon werden auch Filialen in Gegenden geschlossen, in denen vor der Markt-Freigabe noch Apotheken existierten. Somit ist Schweden gerade in der schwierigen Situation, neben einem Programm zur Förderung der Landärzte, auch eines für Landapotheken aufzusetzen, mit noch weniger Apotheken im ländlichen Raum, als vor der Marktfreigabe. Es wurde mit der Marktfreigabe also das genaue Gegenteil erreicht.

Die Gesundheitsminister der Bundesländer Bayern, Rheinland-Pfalz, NRW und Baden-Württemberg sind zur Zeit auf dem Weg, über den Bundesrat ein Verbot des Versandes verschreibungspflichtiger Arzneimittel zu erwirken.

Bitte schließen Sie sich Ihren Kollegen der anderen Bundesländer an.
Bitte handeln Sie schnell.

Die Apothekerkammer Brandenburg steht Ihnen sicher für jedwede Rückfragen zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,

 

 

Warum wenigstens der Versand von Rx*-Medikamenten verboten gehört

Liebe Gesundheitspolitische SprecherInnen,
liebe GesundheitsministerInnen,

es besteht dringender Handlungsbedarf, dringender, als Ihnen bewußt sein dürfte. Der EuGH hat ein für das deutsche Gesundheitswesen folgenschweres Urteil getroffen. Er hat das Verbot der Rabatte als Wettbewerbsverzerrung angesehen und daher abgelehnt.

„An jeder Ecke eine Apotheke“
Während sich eine unwissende Mehrheit des Volkes noch in hämischen Warum wenigstens der Versand von Rx*-Medikamenten verboten gehört weiterlesen

Das Märchen vom freien Markt und dem EuGH

Es war einmal in einem kleinen Land, das viele kleine Apotheken hatte.

Schon Jahre zuvor hatten einige windige Geschäftemacher dem damaligen König eingeflüstert, sie könnten viel Geld verdienen und der Staat damit noch mehr Steuern einnehmen, wenn sie die vom Arzt verschriebenen Medikamente nicht nur über die Theke ihres Ladens verkaufen dürften, sondern auch versenden dürften, was bis dahin in diesem Land verboten war. Auch in den Ländern drumherum war es nicht erlaubt, die vom Arzt verschriebenen Medikamente zu versenden. Der König aber dachte: „au fein, warum soll ich so dumm wie die anderen sein, so kommt doch neues Geld in mein Säckchen hinein“. Und so erließ
er ein Gesetz, dass es den Geschäftemachern erlaubte zu versenden, wie sie es gefordert hatten.
Und alles schien gut.

Nun gingen ein paar wenige Jahre ins Land in denen die Geschäftemacher Geschäfte machten und das Königreich Steuern einnahm. Doch es fanden sich noch windigere Geschäftemacher, die eines Tages feststellten, dass man im Das Märchen vom freien Markt und dem EuGH weiterlesen

Gewissenhafte Beratung hilft Abhängigkeiten zu verhindern, bevor sie entstehen

Immer wieder haben Menschen Probleme mit dem Einschlafen. Die Gründe hierfür wollen wir an dieser Stelle ebenso wenig diskutieren, wie den sicheren Konsens, dass es immer besser wäre Ursachen, statt Wirkung zu bekämpfen. Doch wenn Menschen diesbezüglich in einer Apotheke Rat suchen, dann kann ihnen auf unterschiedlichste Art geholfen werden. Eine Reihe von Präparaten besitzen ein derart hohes Abhängigkeitspotential, dass sich bei diesem Thema in der Beratung schnell Spreu von Weizen trennt. Ja, dieses Thema ist schon für „echte Apotheken“ ein Reizthema.

Doch hier liegt im Gewissen der ApothekerIn der gesundheitliche Gewinn des Patienten, ja manchmal sogar sein Leben, wie es derzeit ist. Denn wenn der Gewissenhafte Beratung hilft Abhängigkeiten zu verhindern, bevor sie entstehen weiterlesen

Warum Apothekenketten keine Lösung sind

Viele der Menschen die gerade über den Sinn oder Unsinn des Fremdbesitzverbotes von Apotheken in Deutschland nachdenken und sich noch immer für dessen Abschaffung aussprechen, haben vor allem das Argument, die Apotheken machten die Arzneimittel so teuer und der Markt müsse frei sein. Nun frage ich Sie: Ist das Tanken (nach Abzug der Steuer) tatsächlich durch das verschwinden der freien Tankstellen billiger geworden? Wenn eine Kettenbildung so unproblematisch wäre, warum erließ die Bundesregierung letztes Jahr ein Gesetz (in Kraft seit 01.01.2013?), dass durch Preis-Meldepflicht Absprachen der Multi-Konzerne zu verhindern sucht? Wer glaubt ernsthaft, dass Warum Apothekenketten keine Lösung sind weiterlesen